Heizen mit der Klimaanlage: Stromverbrauch, Kosten und wann es sich lohnt
Die meisten kaufen eine Klimaanlage zum Kühlen — und übersehen, dass moderne Split-Geräte auch heizen können. Im Heizbetrieb arbeitet die Anlage als Luft-Luft-Wärmepumpe und macht aus 1 kWh Strom typischerweise 3–4 kWh Wärme. Damit kann sie in der Übergangszeit günstiger heizen als manche Gasheizung. Dieser Ratgeber rechnet vor, was das Heizen mit der Klimaanlage kostet und wo die Grenzen liegen.
Wie eine Klimaanlage heizt: das Wärmepumpen-Prinzip
Im Kühlbetrieb transportiert die Anlage Wärme von innen nach außen. Im Heizbetrieb kehrt sie den Kältekreislauf um: Sie entzieht der Außenluft Wärme — das funktioniert auch bei Minusgraden — und gibt sie im Raum ab. Weil der Strom nur die Pumpe antreibt und nicht direkt Wärme erzeugt, liegt der Wirkungsgrad weit über 100 %.
Die Kennzahl dafür ist der COP (Coefficient of Performance): Ein COP von 3,5 bedeutet, dass aus 1 kWh Strom 3,5 kWh Wärme werden. Moderne Inverter-Splitgeräte erreichen bei milden Außentemperaturen COP-Werte von 3 bis über 4; der Jahresmittelwert wird als SCOP auf dem Energielabel angegeben.
Was kostet das Heizen mit der Klimaanlage?
Die Rechnung folgt derselben Logik wie beim Kühlen — nur geteilt durch den COP:
Stromkosten = Heizleistung (kW) ÷ COP × Stunden × Strompreis (€/kWh)
Ein Beispiel: Ein Raum braucht 2,5 kW Heizleistung, das Gerät schafft einen COP von 3,5, der Strompreis liegt bei 0,35 €/kWh.
- Stromaufnahme: 2,5 kW ÷ 3,5 ≈ 0,71 kW
- Bei 6 Stunden Heizen pro Tag: ≈ 4,3 kWh ≈ 1,50 € pro Tag
- Pro kWh Wärme: 0,35 € ÷ 3,5 = 10 Cent
Zum Vergleich: Gasheizungen liegen 2026 inklusive Nebenkosten meist bei 11–13 Cent pro kWh Wärme, direkte Elektroheizungen (Heizlüfter, Radiator) bei vollen 35 Cent. Die Klimaanlage heizt also rund dreimal günstiger als ein Heizlüfter und ist mit Gas mindestens konkurrenzfähig — mit eigenem PV-Strom deutlich günstiger.
Wo die Grenzen liegen
- Tiefe Außentemperaturen: Je kälter die Außenluft, desto niedriger der COP. Unter etwa −5 bis −10 °C sinkt die Effizienz spürbar, und die Heizleistung vieler Geräte fällt ab. Für milde Winter und die Übergangszeit ideal — als einzige Heizung im Hochwinter nur mit dafür ausgelegten Geräten.
- Ein Raum, nicht das ganze Haus: Eine Single-Split-Anlage heizt den Raum, in dem das Innenteil hängt. Als Zusatzheizung fürs Wohnzimmer oder Homeoffice perfekt; eine Zentralheizung ersetzt sie nicht ohne Weiteres.
- Abtauzyklen: Bei Frost vereist das Außengerät zeitweise und muss abtauen — das kostet einen Teil der Effizienz und ist normal.
- Monoblock-Geräte heizen, falls überhaupt, meist nur elektrisch direkt — ohne Wärmepumpen-Vorteil. Der günstige Heizbetrieb ist eine Domäne der Split- und Portasplit-Geräte.
Für wen sich das lohnt
- Haushalte mit Übergangszeit-Bedarf: Im Frühjahr und Herbst die Zentralheizung auslassen und nur den Wohnraum per Klimaanlage temperieren — oft die günstigste Option.
- PV-Besitzer: Wer mittags Solarstrom übrig hat, heizt damit fast kostenlos vor.
- Räume ohne Heizkörper: Dachausbau, Wintergarten oder Gartenhaus — hier ersetzt die Split-Anlage eine teure Heizungserweiterung und kühlt im Sommer gleich mit.
- Mieter mit Nachtspeicher- oder Elektroheizung: Gegenüber Direktstrom-Heizungen spart der Wärmepumpen-Betrieb rund zwei Drittel der Kosten. Was in der Mietwohnung erlaubt ist, klärt der Ratgeber Klimaanlage in der Mietwohnung.
Beim Kauf auf den Heizbetrieb achten
Wenn Heizen ein Kaufkriterium ist, prüfen Sie: den SCOP-Wert (je höher, desto besser; ab 4,0 ist gut), die angegebene Heizleistung bei −7 °C (nicht nur bei +7 °C) und die Energieeffizienzklasse im Heizmodus auf dem EU-Label. Die nötige Leistung für Ihren Raum berechnen Sie mit dem BTU-Rechner — als Faustregel liegt der Heizbedarf in ähnlicher Größenordnung wie der Kühlbedarf, in Altbauten etwas darüber. Was das Gerät im Sommer an Stromkosten verursacht, sollte in die Gesamtrechnung einfließen: Eine Anlage, die kühlt und heizt, amortisiert sich doppelt so schnell.